Wie heiratet man eigentlich in der Türkei, auf Bali, in Russland oder in afrikanischen Ländern? Jedes Land hat bekanntlich andere Sitten und Gebräuche und dementsprechend anders fallen die Hochzeitsfeierlichkeiten aus.
Hier Teil 1 unserer mehrteiligen Reihe zum Thema „Hochzeitsbräuche aus aller Welt“, in der wir euch über interessante Fakten zu Hochzeitsbräuchen fremder Länder und Kulturen informieren möchten:
Teil 1: Die türkische Hochzeit
In der Türkei steht die Hochzeit für Neuanfang und Glück und gehört zu einem der größten Ereignisse im Leben eines Türken. Dementsprechend großzügig gibt man sich bei der Ausrichtung der Hochzeitsfeierlichkeiten, die oftmals ganze drei Tage andauern und sehr exzessiv zelebriert werden. In reicheren Familien kann eine Hochzeitsfeier sogar einige Wochen andauern – ein regelrechter Partymarathon also. Die Kosten für die ausschweifenden Feierlichkeiten übernehmen zumeist die Eltern des Brautpaares sowie die gesamte Familie, sodass die enormen Kosten oftmals in den Hintergrund rücken und sich die Familien äußerst großzügig geben. Die Zwangsheirat ist in der Türkei heutzutage nicht mehr üblich, wird aber in manchen türkischen Stämmen leider immer noch durchgeführt.
Eine türkische Verlobung läuft sehr traditionell ab. Die Eltern des Mannes erbitten einen Besuch bei den Eltern der Braut und äußern in diesem Rahmen bei Tee und Gebäck den Heiratswunsch der Verliebten. Wenn die Brauteltern ihre Zustimmung für die Heirat erteilen, gratuliert man sich gegenseitig und steckt dem Paar die Verlobungsringe an die Finger. Eine Seidenschnur verbindet die beiden Ringe miteinander, die schließlich von einem älteren Verwandten zur Besiegelung der Verlobung durchtrennt wird. Etwas später findet eine Verlobungsfeier in traditionellem Rahmen statt. Dabei trägt die zukünftige Braut ein aufwändiges, helles Abendkleid. Die Verlobungsfeier findet meist in einem großen Saal statt. Man feiert und isst gemeinsam und beschenkt sich gegenseitig.
Einen Tag vor der eigentlichen Hochzeit findet der sogenannte „Henna-Abend“ statt, den die Brautleute getrennt voneinander feiern. Dieser Abend ist von Traurigkeit bestimmt. Das Singen trauriger Lieder soll den Abschied vom Elternhaus symbolisieren. Henna steht für den Beginn eines neuen Lebensabschnitts und für ein glückliches Eheleben. Die Braut bekommt an diesem Abend eine rote Decke über den Kopf gestülpt, damit niemand ihre Tränen sehen kann. Die Hochzeitsgäste versuchen die Hände der Braut mit Henna zu verzieren, jedoch will es der Brauch, dass die Braut hierfür ihre Hände nicht öffnet. Bevor die Feier schließlich endet, überreicht die künftige Schwiegermutter der Braut goldenen Schmuck.
Ein weiterer Brauch in der Türkei besagt, dass der Bräutigam vor der Hochzeit das Wohnzimmer zur Verfügung zu stellen hat und die Braut das Schlafzimmer und die Küche für das gemeinsame Eheleben. In die neue Wohnung des Brautpaares wird zu allererst der Koran (symbolisiert den Glauben), ein Spiegel (symbolisiert Erleichterung), eine Kerze (symbolisiert Licht), Reis (symbolisiert Fruchtbarkeit und Segen) und Zucker (symbolisiert die Süße des Lebens) gebracht.
Am Tag der Hochzeit wird auch der Ehevertrag unterschrieben. Hier sagt man, dass derjenige, der während der Unterzeichnung des Vertrags den anderen zuerst leicht ans Bein tritt, in der Ehe die Hosen anhaben wird. Die Hochzeitsfeierlichkeiten, zu denen oftmals über 300 Hochzeitsgäste geladen sind, finden meist in einer großen Veranstaltungshalle statt. Die Braut trägt stets ein weißes Brautkleid und um die Hüften traditionell ein rotes Satinband und einen Gürtel. Die Kosten für das Hochzeitskleid übernimmt immer der Mann. Die eigentlichen Hochzeitsfeierlichkeiten mit Musik und Tanz beginnen, nachdem das Brautpaar von den Verwandten mit Goldschmuck oder Geld beschenkt wurde. Die Geldgeschenke und der Schmuck werden übrigens üblicherweise nicht als Geschenk verpackt, sondern dem Brautpaar an die Kleidung gesteckt bzw. übergehängt. Das Hochzeitsessen erfolgt meist in Form eines üppigen Buffets mit zahlreichen kulinarischen Spezialitäten aus der Türkei. Alkohol wird in der Regel nicht angeboten, was jedoch auch immer von der Strenge des Familienoberhauptes abhängt.
Teil 2 der Serie “Hochzeitsbräuche aus aller Welt” gibt’s hier: Hochzeitsbräuche Brasilien
